Makiko Nishikaze


 

aqua ּ piano ּ aerial

 

 

 

 

Best Nr.:          

EWR 0301

 

Tonträger:

CD

 

Komponist:

Makiko Nishikaze

 

Interpreten:

Makiko Nishikaze, Klavier

 

 

 

 

 

 

 

“Sanctuary’’ – wann immer ich mit Makiko Nishikaze sprach, spielte dieser Begriff eine wichtige Rolle.

 

Es scheint mir bezeichnend für unsere Kultur, dass wir für das, was sie damit meint, in unserer Sprache keine direkte Entsprechung haben: Es gibt zwar einen Schutzraum für Vögel, oder die Konvention, dass niemand verhaftet werden sollte, solange er sich in einer Kirche aufhält. Aber einen Begriff für den Schutz einer Mitte in uns, in der Denken und Handeln, Müssen und Wollen, Fühlen, Sehnen und Tun sich decken, – einen solchen Begriff kennen wir westlichen Menschen nicht. Dabei kommt uns diese Mitte so leicht abhanden: durch Ansprüche, die wir meinen, an uns stellen zu müssen; durch Menschen, die meinen, etwas von uns fordern zu dürfen; durch unseren Einsatz für Aufgaben, bei dem wir den Kontakt zu uns selbst verlieren.

 

Als ich Makiko Nishikaze zum ersten Mal über ihre Musik sprechen hörte, verglich sie den Vorgang des Komponierens mit einem Fluss, der seinen Weg sucht: Wann immer sie einen neuen Klang gefunden hat, geht sie gedanklich noch einmal ganz an den Anfang der Komposition zurück und verfolgt ihren Lauf bis zu diesem Punkt. Wenn sie bei dem neuen Ton angekommen ist fragt sie ihn, ob er an dieser Stelle sein möchte. Wenn nicht, dann nimmt sie ihn wieder weg und sucht nach einem neuen Weg für den Fluss des Stückes.

 

Man kann sich vorstellen, wie viel Zeit es erfordert, ein Stück zu schreiben, das etwa eine Stunde füllt.

 

Doch dann fließt ihre Musik mit einer Zwangsläufigkeit, mit der Wasser abwärts fließt. Sie ist wie ein Fließen durch eine Mitte, die angesichts vieler Fragen und Spannungen ihren Ort wechselt, die immer wieder neu gesucht werden muss und gefunden wird.

 

Makiko Nishikaze sagt oft über sich selbst, dass sie weder in der so genannten „westlichen“, noch in der so genannten „östlichen Welt“ so recht zu Hause sei, sondern nur in ihrer Musik. Musikschreiben ist für sie etwas Existenzielles. Im Komponieren schafft sie sich ihr „sanctuary“, das sie in allen Teilen der Welt bewahrt.

 

Ich freue mich, wann immer ich für ein Stündchen, für die Dauer dieser CD, darin zu Gast sein kann.

 

 

 

Doris Kösterke