Herman Van San (1929 – 1975)


 

Sextet. Microstructure. Sectionen

 

 

 

 

Best Nr.:          

EWR 9902

 

Tonträger:

CD

 

Komponist:

Hermann Meier

 

Interpreten:

Barbara Deleu, Dimitri Baetman, Peter Merckx, Dirk Noyen, Dries Geeraert, Koen Kessels, Götz Hartmann, Rosemarie Keller, Dirk Hegemann, Walter Keller, Wolfram Hertel, Wolfgang Düthorn

 

 

 

 

 

 

 

" Vor ein paar Jahren stieß ich in den Gängen der Universität Gent auf einen geschlossenen Archivkasten mit dem Namen ´Herman van San`. Meine Neugier wurde gereizt und wurde, in den Jahren zwischen dieser ersten Konfrontation und der Realisierung dieser CD, der Katalysator für eine Suche nach dem Werk und der Persönlichkeit Herman van San`s. "

 

Hermann van San wurde in Mechelen (Belgien) am 19. März 1929 geboren und starb dort am 26. Oktober 1975. Er studierte Musiktheorie und Klavier bei Gabriel Minet in Brüssel und Jura, Physik und Philosophie an der Freien Universität in Brüssel.

 

Auf der Basis einer positivistischen Weltanschauung und einer formal - mathematischen Methodologie wollte van San die neuen Erkenntnisse der Physik für die Klangproduktionen und die Ordnung der Klänge innerhalb einer Komposition anwendbar machen. Die instrumentalen Werke von 1953 - 1954 (Sectionen op.5) müssen vermutlich als die erste konsequente Anwendung einer analytisch - mathematischen und symbolisch - logischen Methode betrachtet werden.Obwohl Hermann van San nicht sehr bekannt wurde, ist es klar, daß er musikhistorisch einer kleinen Gruppe von Pionieren zugerechnet werden muß. Seine Werke aus den Jahren 1951 - 1952 sind zwar noch dodekaphonisch, die Formalisierung ist aber viel weiter vorangetrieben als bei Schoenberg und Webern.

 

Sextet (1951)für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier ist eine konsequent dodekaphone Komposition, aufgeteilt in sieben Segmente. Die Mehrschichtigkeit des Werks und die komplexe Dichte der simultanen Zeitstrukturen fordern sofort die Aufmerksamkeit: unterschiedliche Taktunterteilungen werden mittels Überlagerung kombiniert. Dies führt zu einem poly-metrischen Verlauf von Segmenten mit unterschiedlichen instrumentalen Färbungen.

 

Microstructure (1952) für drei Klaviere ist eine bemerkenswert kurze und geballte Komposition, die nur 21 Sekunden dauert und auf einer Seite notiert ist. Polymetrik verbindet sich hier mit der Verarbeitung einer gleichbleibenden Gruppe von Taktunterteilungen, die in jder Stimme zurückzufinden sind, während die Rhythmik sich auf eine begrenzte Anzahl Module beschränkt. Die Pausen werden zu einem strukturellen Element und die Töne bekommen ihre eigene Bedeutung, losgelöst vom segmentären Verlauf.

 

Sectionen (1953 - 1954) für drei Violinen und drei Violoncelli ist eines der letzten instrumentalen Werke von Hermann van San. Es läutet eine neue Periode ein, in der er ausschließlich nach mathematischen Modellen arbeitet. In dieser Periode studiert er die neuen Entdeckungen der Klangphysik und deren möglichen musikalischen Anwendungen. Verschiedene Bogentechniken, vielfältige Flageolettechniken, pizzicati gespielt sowohl mit dem Finger als mit dem Plektrum, die Berücksichtigung der räumlichen Aspekte der Klangerzeugung durch die geteilte Aufstellung der drei Violine - Violoncello - Paare, werden bis zur äußersten Grenze erkundet: dies ergibt ein Klangbild, das sich vor allem durch die Entfaltung ungewöhnlicher Obertonspektren und Intensitätsverhältnisse auszeichnet.

 

 

 

Guy Vandromme