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mauser - transparenz als form

versuch einer näherung

 

das zentrum von mausers künstlerischer tätigkeit der letzten jahre ist das schreiben; einschreiben und auflösen von heiligen texten, meist auf papier, ein künstlerisches prinzip, einem exerzitium ähnlich. in stetiger übung überträgt er die texte mit wachsstift, buchstabe an buchstabe, ohne zwischenräume und satzzeichen, regelmässig auf papier. die festgelegten proportionen von büttenbogen und buchstabengrösse bestimmen den schreibrhythmus. so in-formiert er das material, um diese information ebenso sorgfältig wieder aufzulösen, sobald das sich ergebende rechteck vollständig beschrieben ist.

die schriftzeichen als träger von inhalten, bedeutungen werden aufgelöst. zurück bleibt, erkennbar der raum der handlung, wie eine offene bühne, nicht leer und doch transparent für den betrachter, der nicht mehr an die worte, botschaften, die handelnde person gebunden ist.

zunächst bewusst aufgeladen mit inhalten, deren bezug zur transzendenz, zum über­schreiten sichtbarer form und substanz, offensichtlich ist, wird die papiersubstanz von diesen konkreten inhalten und bedeutungen befreit. der blick kann nichts mehr ausma­chen, sich an nichts mehr festhalten. in der klaren form tritt wesentlich die transparenz zutage, sie ist die form, der auflösungsprozess bewirkt eine öffnung. die formale klarheit ist der punkt, durch den hindurch sich dem betrachter die weite öffnet, so er sich ein­lässt. ähnlich wie anfänglich die texte ein-ge-lassen wurden ins papier, um dann auf­ge-löst zu werden, kann auch der betrachter angesichts der form ins offene gelangen. eine variation stellt die bodenarbeit dar, bei der der künstler auf einem möglichst glatten betonboden mit kreide schreibt und dies anschliessend wegwischt. die so entstehende kreidefläche lässt wiederum texte nicht mehr erkennen, bezeugt aber den handlungs­raum. auch hier öffnen sich verdichtung und auflösung ineinander.

auf-lösung, er-lösung, sich lösen, ge-lassen werden, lassen können sind metaphern, die eine existenzielle perspektive öffnen und in dieser form ereignis werden.

(marianne hambach)

 

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